Aktienanalyse Rocket Internet

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aktualisiert: 10 Januar 2020

Die Aktie von Rocket Internet steigt zurzeit deutlich und konnte am Montag einen Anstieg von 4,32 Prozent aufweisen. Damit gehörte die im MDAX notierte Aktie zu den Spitzenwerten am deutschen Aktienmarkt. Hintergrund ist der erfolgreiche Börsengang von Jumia Technologies, einer afrikanischen Online-Plattform. Nachdem die Rocket-Internet-Aktie im zweiten Halbjahr 2018 viel verloren hatte, ging der Kurs bereits zu Jahresbeginn wieder nach oben.

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Aktie unterbewertet

Derzeit bewegt sich die Rocket-Internet-Aktie bei rund 22 Euro. Experten wie die Analysten der Deutschen Bank sehen die Aktie jedoch bei 28 bis 30 Euro. Die Deutschen Bank erhöhte kürzlich ihr Kursziel für die Aktie von Rocket Internet, da die Analysten positiv überrascht waren, dass Rocket Internet die Werte ihrer Investments bekannt gab. Die Deutsche Bank sieht die Aktie von Rocket Internet damit als unterbewertet. Ein Kurs von 30 Euro wäre allerdings immer noch unter dem Jahreshoch von 31,70 Euro. Derzeit ist die Aktie von diesem Wert etwa 25 Prozent entfernt.

Unterstützung erhielt die Aktie von Rocket Internet durch den erfolgreichen Börsengang am letzten Freitag an der New Yorker Börse von Jumia Technologies, einem Online-Versandportal. Die Aktie lag am Ende ihres ersten Handelstags um etwa 55 Prozent im Plus und war 22,45 Dollar wert. Die Aktie lag damit 75 Prozent über ihrem Ausgabepreis. Nach dem Wochenende ging dann auch die Aktie von Rocket Internet in Deutschland nach oben.

Rocket Internet hält 20,6 Prozent der Aktien an Jumia. Zum aktuellen Kurs ist dieser Anteil damit mehr als 350 Millionen Dollar wert. Jumia ist allerdings nur eine von vielen Beteiligungen von Rocket Internet. Bekannte weitere Start-ups sind Home24 und DeliveryHero, die im letzten Jahr ebenfalls an die Börse gingen.

Rocket Internet Aktienanalyse

Erfolgreicher Börsengang von Rocket-Internet-Beteiligung

Das Online-Portal Jumia wurde 2012 gegründet und hat seinen Sitz in Lagos, der größten Stadt Nigerias. Heute ist das Unternehmen in 14 Ländern auf dem afrikanischen Kontinent aktiv. Noch schreibt Jumia zwar keine schwarzen Zahlen, konnte im letzten Jahr aber den Umsatz deutlich auf 828 Millionen Euro steigern. Über den Online-Marktplatz finden Verkäufer und Verbraucher zusammen. Ein Logistikdienst übernimmt den Versand und die Zustellung von Paketen an die Käufer. Über einen Zahlungsdienst werden Transaktionen zwischen Käufer und Verkäufer abgewickelt. Das Konzept von Jumia weist damit durchaus Parallelen zu Amazon auf und wird daher auch als „Amazon Afrikas“ bezeichnet. Über Jumia können Kunden sich sogar Essen liefern lassen, Anzeigen aufgeben oder Hotels und Flüge buchen.

Nicht immer verliefen die Börsengänge der Start-ups von Rocket Internet so erfolgreich. Westwing, Home24 und HelloFresh scheinen durchaus Mühe zu haben, sich an der Börse durchzusetzen. Dagegen liegt DeliveryHero seit seinem Börsengang im Plus.

Mitte März beantragte Jumia die Notierung an der NYSE, obwohl das Unternehmen im letzten Jahr Verluste von fast 200 Millionen Dollar machte. Dem stand ein Umsatz von knapp 150 Millionen Dollar gegenüber. Der negative Cashflow liegt bei knapp 160 Millionen Dollar. Dennoch handelt es sich bei Jumia um das erste afrikanische Start-up, das mit mehr als 1 Milliarde Dollar bewertet wird und mit diesem Wert den Sprung an die Börse wagt. Vor einigen Wochen wurde spekuliert, dass sich Rocket Internet im Rahmen des Börsengangs bei Jumia zurückziehen könnte.

Unternehmensanalyse Rocket Internet

Rocket Internet seit 2018 in der Gewinnzone

Rocket Internet selbst kam erst im letzten Jahr erstmals in die Gewinnzone. Noch 2017 musste ein geringer Verlust von 6 Millionen Euro verbucht werden. Damals wies das Unternehmen auch einen aggregierten Umsatz ausgewählter Unternehmen, an denen Rocket Internet beteiligt ist, in Höhe von 2,64 Milliarden Euro aus. Ohne assoziierte Unternehmen betrug der Umsatz damals 36,8 Millionen Euro.

Im April kündigte Firmenchef Oliver Samwer an, dass Rocket Internet in diesem Jahr mehr Unternehmen gründen will. Die Kassen sind mit einem Kapitalpolster von 2 Milliarden Euro gut gefüllt. Daher sind Investitionen problemlos möglich. In den letzten Monaten konnte Rocket Internet seine Kassen auffüllen, da das Angebot an interessanten Investitionsmöglichkeiten recht klein war.

Rocket Internet ist selbst seit Herbst 2014 an der Börse und startete damals mit einem Ausgabekurs von 42,50 Euro. Dieser Wert konnte jedoch seit Juni 2015 nicht mehr erreicht werden. In diesem Jahr legte die Rocket-Internet-Aktie allerdings schon von Januar bis März um rund 15 Prozent zu. Damit konnte die Aktie einen Teil ihrer Verluste aus dem zweiten Halbjahr 2015 wieder ausgleichen. Schon zu Jahresbeginn machten Gerüchte über einen bevorstehenden Börsengang einer Beteiligung sowie über die Gründung neuer Start-ups die Runde.

Zuletzt wurde bei Rocket Internet eher über Exits berichtet, Neugründungen waren selten. Vor einigen Wochen gründete Rocket Internet allerdings das Unternehmen Franksmile in Großbritannien. Das Unternehmen bietet unsichtbare kosmetische Zahnschienen an. Noch hält Rocket Internet 100 Prozent der Anteile an Franksmile.

Rocket Internet Chartanalyse

Inkubator 2007 gegründet

Rocket Internet kann auf eine Unternehmensgeschichte von mehr als einem Jahrzehnt zurückblicken. 2007 gründeten die Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer in Berlin das Unternehmen. Heute ist Oliver Samwer CEO und Chief Financial Officer (CFO). Breitere Bekanntheit erhielt Rocket Internet sicher durch die Beteiligung an Zalando.

Rocket Internet SE sieht sich als Internetinkubator und hält Beteiligungen an mehreren Start-ups aus der Internetbranche. Rocket Internet beteiligte sich an diesen schon in der Gründungsphase und unterstützte die jungen Unternehmen mit vielen Dienstleistungen im Bereich der Infrastruktur. Auch bei IT, Marketing und Vertrieb erhalten Start-ups Unterstützung. Rocket Internet unterstützt auch Neugründungen.

Insgesamt ist das Unternehmen an über 200 anderen Unternehmen beteiligt. Zu Beginn gründete das Unternehmen eher neue Firmen und orientierte sich insbesondere an erfolgreichen Geschäftsmodellen aus den USA. Heute setzt Rocket Internet zunehmend auf Beteiligungen bei schon bestehenden Unternehmen. Rocket Internet orientiert sich gezielt an internationalen Märkten und besitzt viele Standorte in aller Welt. Insgesamt arbeiten etwa 33.000 Mitarbeiter in den Unternehmen, an denen Rocket Internet beteiligt ist.

Durch dieses Geschäftsmodell kann auch Rocket Internet selbst enorm profitieren. Im letzten Jahr lag der Gewinn bei mehr als 200 Millionen Euro, der Umsatz bei 44,5 Millionen Euro. Am 29. Mai 2019 werden neue Geschäftszahlen veröffentlicht. Im März letzten Jahres betrugen die liquiden Mittel mehr als 2,7 Milliarden Euro.

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Hoher Kursrückgang 2018

2014 wandelte sich Rocket Internet von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft um. Die Aktie wurde nach dem Börsengang zunächst im Entry Standard notiert. Im März 2015 wurde die Rechtsform dann nochmals in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) geändert. Seit September 2016 wird die Aktie im Prime Standard der deutschen Börse gehandelt; einen Monat später wurde sie auch in den SDAX aufgenommen. Im März letzten Jahres erfolgte dann der Aufstieg in den MDAX.

Wie aus dem Geschäftsbericht von 2017 hervorgeht, hält das Unternehmen Global Founders GmbH, das im Besitz der Samwer-Brüder ist, rund 37 Prozent der Anteile an Rocket Internet und damit den Großteil der Aktien. Etwa 42 Prozent der Aktien sind im Streubesitz, obwohl auch weitere Unternehmen Anteile an Rocket Internet halten.

Nachdem 2018 insbesondere in der zweiten Jahreshälfte eher schwierig für die Rocket-Internet-Aktie war, konnte sie sich im März 2019 zunächst erholen, aber schon damals erwies sich der Widerstand bei 23,40 Euro als hartnäckig. Im zweiten Halbjahr 2018 verlor die Aktie insgesamt 37 Prozent. Im März sah das langfristige Chartbild noch immer eher durchwachen aus. Ob der aktuelle leichte Aufwärtstrend aufrechterhalten werden kann, bleibt abzuwarten. Vieles hängt hier sicher von positiven Nachrichten rund um die Start-ups, an denen Rocket Internet beteiligt ist, ab.

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Erfolgreicher Börsengang von Jumia stützt Rocket-Internet-Aktie

Am Montag legte die Aktie von Rocket Internet überraschend um 4,32 Prozent zu und ist derzeit etwa 22 Euro wert. Damit gehörte die Aktie zum Handelsauftakt in dieser Woche zu den besten Performern im MDAX. Hintergrund war der erfolgreiche Börsengang des Online-Portals Jumia, an dem Rocket Internet beteiligt ist. Die Aktie des afrikanischen Start-ups ist seit vergangenem Freitag an der New Yorker Börse gelistet und ging dort mit einem Kursniveau von 75 Prozent über dem Ausgabepreis aus dem Handel. Immer wieder gehen Beteiligungen von Rocket Internet an die Börse. Von den Start-ups, die in den letzten Monaten diesen Weg gegangen sind, liegt allerdings nur DeliveryHero seit dem Börsengang im Plus.

Beobachter sehen die Aktie von Rocket Internet derzeit als unterbewertet an und halten ein Kursziel von 28 bis 30 Euro für denkbar. Dies wäre jedoch noch immer unter dem Jahreshoch bei 31,70 Euro. Als Rocket Internet 2014 an die Börse ging, betrug der Ausgabepreis 42,50 Euro. Dieses Kursniveau konnte die Aktie jedoch seit Anfang 2015 nicht mehr erreichen.

Im letzten Jahr erreichte Rocket Internet erstmals die Gewinnzone. Ein Jahr zuvor lag der Verlust noch bei 6 Millionen Euro. Ende Mai werden erneut Geschäftszahlen veröffentlicht. In diesem Jahr könnte es im Übrigen erneut zu Investitionen kommen, womöglich gründet Rocket Internet auch wieder vermehrt selbst Unternehmen. Das Kapital dafür wäre vorhanden: Da es in den letzten Monaten kaum Investitionsmöglichkeiten gab, kann das Unternehmen über ein Kapitalpolster von 2 Milliarden Euro verfügen.