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Darum spielen Gewinn- und Verlustserien beim Trading keine Rolle

Updated 9 Dez 2020
Trading

Trader werden im Laufe ihrer Karriere immer mal wieder Phasen durchlaufen, die an Glücks- und Pechsträhnen erinnern. Obwohl keine Änderungen am Setup vorgenommen werden, landet ein Trade nach dem anderen im Geld – oder im gegenteiligen Fall: aus dem Geld. Glück gehört bis zu einem gewissen Grad zum Trading zwar ebenfalls dazu, sollte jedoch nie die Basis der Anlageentscheidung darstellen. Nachfolgend erklären wir daher, wie Anleger mit solchen Serien umgehen sollten.

  • Beim Trading sind Gewinn- und Verlustserien möglich
  • Fallende Kurse müssen nicht zwingend einen Verlust bedeuten
  • Mehrere Strategien erweisen sich als hilfreich
  • Positionseröffnung nur, wenn es das Setup zulässt

Hierdurch zeichnen sich Gewinn- und Verlustserien aus

Gewinnserien sind in erster Linie durch den Sport bekannt, wo zumeist von Siegesserien gesprochen wird. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass Athleten oder Teams einen Wettbewerb nach dem anderen für sich entscheiden. Bei lang anhaltenden Siegesserien spielt nicht nur die physische Komponente eine Rolle, die sich in der körperlichen Überlegenheit gegenüber dem Kontrahenten ausdrückt. Daneben existiert ebenfalls eine psychische Komponente. Athleten, die mit einer Siegesserie im Rücken antreten, besitzen darüber hinaus oftmals ein gesteigertes Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

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Exakt gegenteilig verhält es sich bei anhaltenden Niederlagenserien. Trotz der eigentlich vorhandenen Fähigkeit, mit Kontrahenten auf dem gleichen Niveau wetteifern zu können, zeigen Sportler während einer Niederlagenserie Unsicherheiten und psychische Blockaden. Diese Beobachtungen lassen sich auch auf das Trading übertragen. In diesem Bereich zeichnen sich Gewinnserien durch eine längere Abfolge von Trades aus, die im Geld geschlossen werden können. Der Trader hat durch sein ursprüngliches Investment also einen Gewinn erzielt.

Anders als im Sport stehen Trader jedoch nicht untereinander in Konkurrenz. In den meisten Fällen arbeitet jeder auf eigene Verantwortung, ein Wettbewerb findet nicht statt. Während einer andauernden Gewinnserie kann jedoch die eigene Selbstüberschätzung zum Gegner werden. Anlageentscheidungen sollten nur getroffen werden, wenn die Grundvoraussetzungen zur Positionseröffnung erfüllt wurden.

Oftmals gehen gerade unerfahrene Trader jedoch ein zu hohes Risiko ein, weil die vergangenen Trades allesamt erfolgreich waren. Dies kann leicht zu hohen Verlusten führen. Auf ähnliche Art und Weise versuchen Trader oft, verlustreiche Serien durch einen einzigen riskanten Trade wieder auszugleichen.

Gut zu wissen

Eng verwandt mit Gewinn- und Verlustserien sind Glücksträhnen und Pechsträhnen. Diese Begriffe werden jedoch hauptsächlich im Glücksspielbereich verwendet, wo Spieler zwar auf ein Ergebnis setzen können, meist jedoch keinen direkten Einfluss auf den Ausgang des Spiels haben. Im Gegensatz dazu können Trader zumindest auf eine ideale Ausgangslage warten, um die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs zu maximieren.

Fallende Kurse resultieren nicht automatisch in Verlusten

Auf den ersten Blick erscheint es logisch, wann es zu Gewinn- und Verlustserien beim Trading kommen kann. Gewinnserien entstehen, wenn die Kurse anhaltend steigen. Trader können ein Finanzmarktprodukt, etwa Aktien, Rohstoffe oder Währungen dadurch zu einem Preis verkaufen, der über dem Einkaufspreis liegt. Dementsprechend kommt es zu Verlustserien, wenn die Kurse dauerhaft fallen. Hierdurch sind Anleger gezwungen, die Produkte zu einem Preis zu verkaufen, der unter dem ursprünglichen Einkaufspreis liegt.

Ganz so einfach stellt es sich in der Realität jedoch nicht dar, denn in der Finanzwelt existieren neben Long-Positionen auch Short-Positionen. Im eingangs erwähnten Beispiel wurde durch den Trader stets die Käufer-Position eingenommen. Diese Käufer-Position wird sowohl im englischen als auch im deutschen Sprachgebrauch als Long oder Long-Position bezeichnet. Durch Einnahme einer solchen Position profitiert der Trader stets, wenn im Finanzinstrument eine Wertsteigerung stattfindet.

Bei Verkäuferpositionen, die auch als Short oder Short-Positionen bekannt sind, ist Gegenteiliges der Fall. Der Anleger geht in diesem Fall von einem fallenden Wert des Finanzinstruments, in das er investiert hat, aus. Short-Positionen sind unter anderem beim Handel mit Devisen, Rohstoffen und Wertpapieren verbreitet, wo in der Regel jedoch von einem „Leerverkauf“ gesprochen wird. Dieser charakterisiert sich dadurch, dass sich der Basiswert zum Zeitpunkt des Handels nicht zwingend im Besitz des Traders befinden muss. Durch einen späteren Ankauf des Basiswertes kann er einen Gewinn erzielen, wenn der Kaufpreis unter dem Verkaufspreis liegt.

Gewinn- und Verlustserien beim Trading

Bei diesen Produkten können Trader von fallenden Kursen profitieren

Short-Positionen und Leerverkäufe sind bei Finanzgeschäften keine Seltenheit und werden von Tradern genutzt, um auch an fallenden Kursen zu partizipieren. Als hierfür geeignet erweisen sich verschiedene Finanzmarktinstrumente. Hierbei kann es sich sowohl um Basiswerte als auch Derivate handeln. Bei Derivaten handelt es sich um Finanzprodukte, die ihren Wert von einem Basiswert ableiten. Bei einer Investition in ein Derivat gelangt der Trader also nicht in den physischen Besitz beispielsweise einer Aktie oder eines Rohstoffes.

Short-Positionen können unter anderem beim Handel mit diesen Finanzprodukten eröffnet werden:

  • Commodities (Rohsotffe)
  • Wertpapiere
  • Devisen
  • Differenzkontrakte (CFDs)
  • Optionen
  • Zertifikate

Ohne Frage erhöhen Short-Positionen den Handlungsspielraum für Trader erheblich. Sie sind nicht zwingend auf Handelssignale, die auf einen steigenden Markt hindeuten, angewiesen, um eine Position zu eröffnen. Gleichzeitig können sie auch auf Signale für einen fallenden Markt warten und diese Marktsituation durch eine Shortposition ausnutzen. Erfahrene Trader betrachten den Markt gewissermaßen von beiden Seiten und nutzen sowohl die eine als auch die andere Marktsituation aus.

Für Einsteiger ist das Short-Selling zu Beginn jedoch nicht zu empfehlen, da das Verlustrisiko theoretisch unbegrenzt hoch ist. Ihnen ist zu empfehlen, die Partizipation an fallenden Kursnotierungen zunächst auf einem Demokonto auszuprobieren. Demokonten werden unter anderem von CFD- und Forex-Brokern zur Verfügung gestellt, meist sogar kostenlos und unbegrenzt. Durch das zur Verfügung gestellte, virtuelle Kapital können Trader auf unterschiedliche Art und Weise in die Finanzmärkte investieren und neben Long- auch Short-Positionen einnehmen.

Welche Aussagekraft besitzen Gewinn- und Verlustserien?

Ziel eines jeden Traders dürfte es sein, Gewinne zu maximieren und Verluste möglichst klein zu halten. Dennoch sollten neue Trader schnell von dem Gedanken abkommen, dass jeder ihrer Positionen im Geld geschlossen werden kann. Selbst eine bewährte Strategie in Kombination mit der idealen Vorbereitung auf den Trade stellt keine Garantie hierfür dar. Selbst in diesem Fall können unvorhergesehene Ereignisse zu einer Verlustposition führen.

Erfahrene Trader wissen hingegen, dass Verluste zum Trading dazugehören. Da nicht jede Position mit Erfolg geschlossen werden kann, ist es daher umso wichtiger, das Risiko möglichst breit zu streuen. Durch diversifiziertes Investieren des Kapitals in mehrere Assets und Assetklassen können Verluste einer Position leichter durch Gewinne an anderer Stelle aufgefangen werden. Im Gegensatz dazu besteht bei einer Fokussierung auf nur ein einziges Asset die Gefahr, mit einem fehlgeschlagenen Trade große Teile oder sogar das Gesamte Tradingkapital zu verlieren.

Gewinnserien sollten Anleger daher keine allzu große Bedeutung beimessen. Sie sind der Beweis dafür, dass das durch den Trader gewählte Setup funktioniert. Nun das Risiko ohne Not zu erhöhen, weil die Vorgehensweise bereits seit einiger Zeit Erfolg verspricht, wäre der falsche Weg. Dies könnte beispielsweise durch größere Handelspositionen oder den Einsatz höherer Hebel geschehen. Stattdessen sollte der Plan weiterhin befolgt und Emotionen weitestgehend ausgeblendet werden.

Gewinn und Verlust Trading Strategien

Ähnliches gilt für Verlustserien. Wie bereits erwähnt, sind gelegentliche Verluste Bestandteil des Tradings. Gerade Trader mit langfristigem Anlagehorizont nehmen diese kurzfristig häufig sogar in Kauf, wenn sie auf lange Sicht dennoch von einem Gewinn ausgehen. Auch hier erweist es sich in vielen Fällen als fatal, plötzlich ein höheres Risiko einzugehen, um vorherige Verluste durch einen einzigen Trader wieder ausgleichen zu können.

Durch diese Strategien profitieren Trader auch von Verlustserien

Anstatt bei längeren Verlustserien in Panik zu verfallen, sollten Anleger stattdessen das für die Erzeugung von Handelssignalen gewählte Setup überprüfen. Möglicherweise müssen nur an einzelnen Stellen Anpassungen vorgenommen werden, um die Verlustserie mit dem nächsten Trade zu beenden. Zusätzlich empfiehlt sich, die Grundlagen des Risiko- und Moneymanagements zu beachten. Trader, die sich vor der Geldanlage Gedanken über die Positionsgrößen machen und beispielsweise stets nur 1% des Kontostandes für den nächsten Trade einsetzen, können auch längere Verlustphasen überstehen.

An diesem Punkt möchten wir nun noch eine Tradingstrategie vorstellen, die sich unter Tradern einiger Beliebtheit erfreut, obwohl sie viele Grundsätze des Moneymanagements missachtet. Die Rede ist von der Martingale Strategie. Die Martingale basiert auf dem Prinzip des „doubling downs“. Dies bedeutet, dass der Einsatz nach jedem verlorenen Trade verdoppelt wird. Ein entsprechend hohes Kapital vorausgesetzt, kann dieser Vorgang solange wiederholt werden, bis ein großer Gewinn alle vorherigen Verluste ausgleicht. Der Gewinn ist dann gleich dem anfangs investierten Betrag.

In der Theorie zeigt diese Strategie, dass Verlustserien keine große Bedeutung im Trading haben müssen – solange sich irgendwann ein Gewinn einstellt. In der Praxis kann es jedoch vorkommen, dass das Kapital aufgebraucht ist, bevor dies der Fall ist. Eine Abwandlung dieses Systems stellt die Cost-Average Strategie dar. Bei dieser werden beispielsweise Aktien nachgekauft, sobald deren Kurs fällt. Hieraus ergibt sich ein geringerer Durchschnittskurs, wodurch die Gewinnzone nach einem erneuten Anstieg schneller erreicht wird.

Gewinn- und Verlustserien sind nur zweitrangig zu beachten

Welche Rolle spielen Gewinn- und Verlustserien für Anlageentscheidungen? Grundsätzlich ist es so, dass längere Phasen aufeinanderfolgender Gewinne oder Verluste beim Trading ständig vorkommen können. Da das Ergebnis des letzten Trades jedoch keinerlei Auswirkungen auf den nächsten Trade hat, sollten Trader diesen Ereignissen nur eine untergeordnete Bedeutung beimessen. Wichtig ist in beiden Fällen, dass Anleger ihrem Tradingplan folgen und weiterhin nur traden, wenn es das Setup zulässt. Aufgrund ständiger Gewinne oder Verluste das Risiko zu erhöhen, stellt hingegen keine empfehlenswerte Vorgehensweise dar. Auch das Martingale System ist nur bedingt anwendbar, da nach einigen fehlgeschlagenen Trades bereits ein hoher Kapitalaufwand notwendig ist, um einen verhältnismäßig kleinen Gewinn zu erzielen.