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Daytrading Strategien 3: Scalping

Updated 9 Jul 2020

Scalping ist vermutlich die bekannteste der Daytrading Strategien und gilt dabei als Königsdisziplin. Erfolgreiche Scalper sind oftmals sehr erfahren und beherrschen die Chartanalyse deutlich besser als alle andere. Noch dazu bewegen sie oftmals ein Vielfaches des Handelsvolumens im Vergleich zu anderen Daytrading-Strategien.

Doch Daytrading Scalping kann nur unter bestimmten Voraussetzungen tatsächlich erfolgreich sein. Wir informieren Sie darüber, wie Sie Scalping umsetzen können und was Sie dabei beachten sollten, um kein zu großes Risiko einzugehen und von Beginn an erfolgreich zu handeln.

  • Nur kleine Kursbewegungen handeln
  • Durch Volumen und Frequenz lohnend
  • Risiko kann gut begrenzt werden
  • Viele Taktiken innerhalb Scalping umsetzbar.

Was ist die Theorie hinter dieser Daytrading-Strategie?

So funktioniert Daytrading Scalping: Daytrader, die Scalping betreiben, nutzen die kleinsten Kursveränderungen aus und erzielen je Trade nur geringe Gewinne. Dafür traden sie jedoch sehr häufig. Durch die hohe Frequenz gelingt es ihnen dann, dennoch genügend Rendite am Tag zu erzielen.

Möglich wird dies in der Regel zudem dadurch, dass die Trader für eine Position vergleichsweise viel Handelsvolumen investieren. Auf diese Weise werden die eigentlich sehr geringen Kursbewegungen, wie sie beispielsweise für den Forex-Handel üblich sind, letztlich doch gewinnbringend. Ein Beispiel verdeutlich dies. Viele Trader, die scalpen setzen sich bei EUR/USD das Ziel, einen Gewinn von 5 Pips zu erzielen:

  • 1 Pip ist die fünfte Stelle im Wechselkurs.
  • 5 Pips entsprechen also einer Änderung von 0,0005 Euro.
  • Investiert der Trader 1.000 Euro, hat er einen Gewinn von 0,50 Euro erzielt.
  • Nutzt er zusätzlich einen Hebel von 1:10 beträgt der Gewinn 5,00 Euro.

Dies ist im Vergleich zu vielen anderen Trading-Strategien natürlich sehr gering. Gemessen am Einsatz je Trade beträgt die Rendite immerhin nur 0,5 %. Ohne Hebel wäre er noch kleiner und würde nur 0,05 % des Einsatzes betragen. Dementsprechend ist es Teil der meisten Scalping-Strategien, hohe Volumen zu handeln. Dabei sollten sich gerade Einsteiger jedoch nicht dazu verleiten lassen, sehr hohe Hebel zu nutzen, weil dadurch das Risiko für die gesamte Einlage erheblich steigt. Die europäische Finanzaufsicht ESMA fordert von ihren Brokern, dass sie den Hebel auf 1:30 begrenzen und so Anfänger schützen, sodass dies die maximale Hebelwirkung ist.

Daytrading Strategien 3: Scalping

Nachteile vom Daytrading Scalping: zeitlicher und finanzieller Aufwand

Um im Scalping erfolgreich sein zu können, ist es wichtig, dass Trader auf der einen Seite sehr häufig und auf der anderen Seite sehr große Volumen handeln. Das macht diese Strategie für viele Privatkunden zu aufwändig.

Wer sich ernsthaft mit dem Daytrading beschäftigt, investiert hierin in der Regel mehrere Stunden am Tag. Das obigen Rechenbeispiel hat zudem bereits gezeigt, dass Trader ein recht hohes Volumen je Trade einkalkulieren müssen, um überhaupt einen nennenswerten Gewinn zu erzielen. Wenn Trader im Rahmen des Risikomanagements je Trade allerdings maximal ein Prozent ihres Kontos riskieren, wird der Kapitalbedarf enorm. Viele Trader setzen ihr Stop Loss bei einem Pip und begrenzen damit das Risiko schon sehr deutlich, dennoch besteht natürlich gerade in einem so kleinen Schwankungsbereich immer die Gefahr, dass der Verlust doch größer ist.

Wer in der Lage ist, 1.000 Euro je Trade zu investieren, sollte je nach Risikotyp eine Einlage zwischen 10.000 und 100.000 Euro leisten können. Dies ist für durchschnittliche Einsteiger oft deutlich zu viel. Das Problem ist jedoch, dass der Stundenlohn bei kleineren Trades zu gering wird. Immerhin kann nicht jeder Trade erfolgreich sein und die Trading-Gebühren müssen ebenfalls bezahlt werden.

Aufgrund dieser beiden Herausforderungen beginnen die wenigsten Trader direkt mit dem Scalping. Deutlich üblicher ist es hingegen, mit größeren Investitionszeiträumen zu starten und beispielsweise mit dem Swing-Trading zu beginnen. Hier ist je nach Strategie der zeitliche und finanzielle Aufwand deutlich geringer.

Daytrading erfordert einen Broker für Profis

Ein weiteres Problem für Einsteiger: Daytrading Scalping funktioniert in der Regel nur dann gut, wenn sie einen hochwertigen Broker nutzen, der auch semi-professionellen Ansprüchen genügt. Das liegt daran, dass der hochfrequente Handel an das Trading besondere Anforderungen stellt. Trader benötigen eine deutlich schneller Orderausführung und können auf eine zuverlässige Handelsplattformen mit Echtzeitkursen nicht verzichten.

Denn wer kurzfristig handelt, ist mehr als Swingtrader darauf angewiesen, dass die Orders auch zum gewünschten Kurs ausgeführt werden können. Viele Trader kalkulieren beispielsweise nur mit einem Pip Kursverlust, bevor ihre Order ausgestoppt wird. Es ist jedoch möglich, dass sich durch Requotes oder langsame Orderausführung der Kurs soweit verschlechtert, dass es letztlich kaum noch möglich ist, einen Gewinn zu erzielen.

Broker, die sich auf semi-professionelle Trader spezialisiert haben, bieten gerade im Bereich der Orderausführung hochwertige Technologie und sind somit in der Lage, eine deutlich schnellere Ausführung zu gewährleisten und auf diese Weise den Grundstein für den Erfolg beim Scalping zu legen.

Ein Problem beim Daytrading Scalping können zudem die Gebühren von Brokern sein. Selbst wenn diese sehr günstig sind, ist es immer noch vergleichsweise schwierig, einen Gewinn zu erzielen. Broker, die sich an sehr ambitionierte Kunden richten, verlangen häufig prozentual gesehen deutlich geringere Gebühren. Dadurch wird es wesentliche leichter für Daytrader, die Positionen im Gewinn zu schließen. Dafür fordern sie jedoch häufig auch größere Handelsvolumen und Einlagen.

Welche Basiswerte eignen sich für Scalping-Strategien?

Scalping zählt zu den Trading-Strategien, bei denen das Risiko vergleichsweise gut skaliert werden kann. Dies gilt allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. So darf die Volatilität in der Regel nicht zu groß zu sein und stattdessen muss die Liquidität sehr hoch sein. Plötzliche Kurssprünge erhöhen das Risiko hingegen so deutlich, dass es kaum möglich ist, sie verantwortungsvoll zu handeln. Dementsprechend kommen vor allem Assetklassen in Frage, die sich vergleichsweise konstant verhalten. Darunter

  • Forex
  • Indizes
  • Bonds

Dabei müssen Trader darauf achten, dass sie auch innerhalb der Assetklassen nicht in jeden Basiswert investieren sollten. Gerade exotischere Basiswerte oder die Indizes von kleineren Volkswirtschaften sind oft volatiler und weniger liquide, sodass das Risiko hier deutlich größer sein kann als bei den Basiswerten, die am häufigsten gehandelt werden.

Eine weitere Unterart des Scalpings ist zudem der Handel mit Aktien von kleineren Wertpapieren. Hier reicht die Position eines Traders oft aus, um bedeutende Kursveränderungen herbeizuführen. Der Trader investiert also und treibt den Kurs deutlich nach oben, um die Aktie dann wieder zu verkaufen. Dieses Vorgehen ist jedoch nicht nur umstritten, sondern letztlich sogar illegal.

Es ist natürlich erlaubt, in Aktien in einem Umfang zu investieren, der sich nicht in diesem Maße auf den Kurs auswirkt, was bei eigentlich allen größeren Unternehmen der Fall ist. Allerdings ist hier die vergleichsweise geringe Liquidität oftmals für Trader ein zu großes Hindernis.

Daytrading Strategien 3: Scalping

Welche Indikatoren sind für das Scalping sinnvoll?

Trader, die auf Scalping setzen, haben eine vergleichsweise große Auswahl an Indikatoren zur Verfügung. Oftmals ist die Trefferquote im sehr kurzfristigen Zeitrahmen nicht unbedingt hoch. Je kürzer der Zeitrahmen, umso schwieriger ist es, die richtige Richtung vorherzusehen. Dementsprechend ist das Risikomanagement von enormer Wichtigkeit, dennoch versuchen viele Trader natürlich, ihre Trefferquote zu erhöhen. Besonders häufig nutzen sie die folgenden Indikatoren:

  • Gleitende Durchschnitte und Abwandlungen/Kombinationen
  • RSI
  • Bollinger-Bänder und Unterstützungen und Widerstand

Dabei gilt grundsätzlich, dass es auch beim Scalping unterschiedliche Ansätze gibt. In der Regel nutzen die meisten Trader allerdings Trendfolge-Strategien, weil es ihnen nur um kleinere Bewegungen geht und sie nicht darauf angewiesen sind, dass der Trend mit voller Stärke ausbricht. Hierfür kommen vor allem gleitende Durchschnitte und ihre Kombinationen, wie beispielsweise der MACD zum Einsatz. Ein Problem dabei ist allerdings, dass die engen Zeiträume es kaum erlauben, langsame Indikatoren zu nutzen.

Eine weitere Möglichkeit sind Indikatoren wie der RSI, der Relative Strength Index. Er soll es ermöglichen, Märkte zu erkennen, die über- oder unterverkauft sind. Ist dies der Fall, ist eine baldige Korrektur wahrscheinlich, von denen Daytradern profitieren können.

Viele Trader versuchen allerdings vor allem, die Stops anderer Trader zu nutzen, um erfolgreich zu handeln. Üblicherweise nutzen Trader Unterstützungslinien oder Widerstände als Orientierungspunkte für ihre Stop Loss-Grenzen. Viele Daytrader versuchen sich dies zunutze zu machen, indem sie in diesen Bereichen aktiv handeln und die Stops der anderen Trader „fischen“.

Oft kombinieren Trader die verschiedenen Möglichkeiten.

Fazit: Scalping als Daytrading-Strategie ist eher für ambitionierte Trader geeignet

Scalping ist eine der anspruchsvollsten Daytrading-Strategien überhaupt. Das Ziel hierbei ist es, dass Trader immer nur kleine Kursveränderungen traden und dadurch zwar kleine, aber relativ konstante Gewinne erzielen. Damit sich diese Strategie überhaupt lohnen kann, ist es beim Scalping in der Regel sehr wichtig, dass Trader zum einen aktiv viele Positionen handeln, zum anderen jedoch auch ein vergleichsweise großes Handelsvolumen einsetzen.

Entsprechend anspruchsvoll ist Scalping für Trader. Sei müssen nicht nur viel Zeit mitbringen, sondern auch vergleichsweise viel Kapital. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass ein Broker, der sich an semiprofessionelle Trader richtet, für diese Art des Handels die beste Wahl ist. Ohne eine schnelle Orderausführung und günstige Gebühren wird es kaum einem Scalper gelingen, erfolgreich zu handeln.

Trader, die diese recht hohen Ansprüche erfüllen können, profitieren jedoch nicht zuletzt davon, dass sich das Risiko beim Scalping oftmals recht genau eingrenzen lässt. Dafür müssen sie jedoch auch die richtigen Basiswerte wählen und dabei vor allem auf Liquidität und Volatilität achten. Nur dann kann der risikoarme Ansatz auch übertragen werden.

Auch im Rahmen des Scalping selbst gibt es verschiedene Strategien, die mit unterschiedlichen Indikatoren umgesetzt werden. Üblich ist es, Trends zu entdecken oder wahrscheinliche Korrekturen zu identifizieren, um von diesen kleinen Kursbewegungen zu profitieren.

Bilderquelle:

  • shutterstock.com