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Aktienanalyse: Nestlé

Updated 11 Jun 2020
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Die Aktie des größten internationalen Nahrungsmittelkonzerns Nestlé zeigt sich derzeit mit einem Wert von über 75 Euro sehr solide. In den letzten Wochen konnte die Aktie deutlich hinzugewinnen. Generell gelten Konzerne aus der Schweiz in unsicheren Zeiten an der Börse als sicherer Hafen. Die Aktie erlebte in den letzten Tagen einen deutlichen Aufwärtstrend. In Franken gerechnet erreichte die Aktie sogar ein Rekordhoch, obwohl eine Diskussion zwischen der EU und der Schweiz entbrannt ist, bei der es auch um den zukünftigen Handel von Aktien im jeweils anderen Währungsraum geht.

Bewegtes Jahr für Nestlé-Aktie

Das Jahr 2018 verlief für die Nestlé-Aktie durchaus turbulent. Im Sommer fiel sie noch auf 73,43 Franken, konnte aber seit der Jahresmitte ein wahres Comeback hinlegen. Die Verluste aus dem Sommer wurden zwischenzeitlich ausgeglichen und die Aktie erreichte ein Rekordhoch von 86 Franken. In Euro gerechnet betrugt der Rekord Mitte letzten Jahres 78,57 Euro. Diesen Wert kann die Aktie derzeit nicht ganz erreichen.

Analysten sehen keine klaren Gründe für den Kursanstieg der Nestlé-Aktie. Womöglich gehen die Anleger allerdings davon aus, dass Mark Schneider, der Chef von Nestlé, das Unternehmen wieder in die Erfolgsspur zurückbringt. In den ersten neun Monaten des Jahres betrug das um Sondereffekte bereinigte Wachstum 2,8 Prozent und damit 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Für das gesamte Jahr will man ein organisches Wachstum von etwa drei Prozent erreichen und bis 2020 sollen die Wachstumsraten wieder etwa fünf Prozent erreichen. Dies war früher oft der Fall. Auch die operative Marge soll wieder 18,5 Prozent betragen.

Obwohl es für die Aktie von Nestlé steil nach oben geht, zeigt die technische Analyse der Aktie, dass das Bollinger Band nicht genügend Platz für einen schnelleren Anstieg gibt. Der Relative Stärke Indikator geht langsam in den überkauften Bereich. Zuvor lag er meistens in der neutralen Zone.

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Konzernumbau in Arbeit

Derzeit arbeitet man bei Nestlé an einem Konzernumbau. Für diesen zeigt sich Schneider verantwortlich, der zuvor Manager bei Fresenius war und nun seit zwei Jahren bei Nestlé tätig ist. Unter anderem hat man weniger lukrative Geschäftsbereiche verkauft. Dazu gehörte unter anderem das Süßwarengeschäft in den USA, dass Anfang 2018 an Ferrero verkauft wurde.

Gut laufende Geschäftsbereiche, beispielsweise die Felder Gesundheitsprodukte und Kaffee, wurden dagegen ausgebaut. So hat der Konzern beispielsweise kürzlich das Einzelhandelsgeschäft von Starbucks übernommen. Für das Handelsgeschäft von Starbucks zahlte Nestlé etwa 7,15 Milliarden Dollar. Nestlé kann nun in aller Welt den Kaffee von Starbucks verkaufen, da sich der Konzern auf diesem Weg das weltweite Exklusivrecht an der Vermarktung der Starbucks-Proukte sicherte.

Der Konzernumbau wird im Übrigen auch von Preiserhöhungen getragen. In den letzten Jahren stockte das Wachstum bei Nestlé. Daher unternimmt das Unternehmen derzeit zahlreiche Maßnahmen, um dieses wieder anzukurbeln. Dieser Weg kann auch die Aktie dabei unterstützten, weiterhin attraktiv zu bleiben. Zudem kauft das Unternehmen weiterhin Aktien zurück, was bei Anlegern ein positives Signal ist.

Der Umbau des Konzerns konzentriert sich vor allem auf vier Bereiche, die als besonders aussichtsreich gelten. Diese sind Babynahrung, Kaffee, Wasser und Tierfutter. Hier könnte das Wachstum besonders hoch ausfallen. Es wird davon ausgegangen, dass der Konzern bald auch seine Anteile an L‘Oréal verkaufen wird.

Weitere Umstrukturierungen denkbar

Der Großaktionär Third Point um den Investor Daniel Loeb macht derweil Druck auf Nestlé und fordert ein schnelleres Vorgehen beim Umbau des Unternehmens. Er spricht sich für die Trennung von Geschäftsbereichen aus, die 15 Prozent des Umsatzes ausmachen. Die Erlöse aus diesen Verkäufen sollen dann dazu verwendet werden, weitere Zukäufe zu ermöglichen und Aktien zurückzukaufen. Dies wird von Nestlé abgelehnt.

Nestlé ist in fast 190 Ländern aktiv. Insgesamt arbeiten etwa 335.000 Menschen für das Unternehmen. In rund 450 Produktionsstätten werden die Nahrungsmittel aus dem Hause Nestlé hergestellt. Vor allem in Europa, aber auch im Nahen Osten und Nordafrika kann das Unternehmen einen großen Teil seines Umsatzes erzielen. Spätestens seit den 1960er Jahren forcierte Nestlé die Übernahmen anderer Unternehmen. Allerdings gab es auch zuvor schon Übernahmen und Fusionen, beispielsweise 1947 der Zusammenschluss mit der Maggi AG.

Allein im Falle von L‘Oréal hält Nestlé 23 Prozent am größten internationalen Kosmetikhersteller aus Frankreich. Nachdem der Verwaltungsratschef von Nestlé, Paul Bulcke, angekündigt hatte, dass dieses Thema auf der Agenda des Aufsichtsrats stehe, zog auch die Aktie von L‘Oréal an.

Über eine Zusammenarbeit mit dem Onlinehändler Alibaba versucht Nestlé seit Anfang 2016 das Onlinegeschäft auszuweiten. Heute gehören viele weltbekannte Marken zum Konzern. Eigenen Angaben zufolge gehören weltweit mehr als 2.000 Marken zum Unternehmen.

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Defensive Aktien attraktiv

Dennoch zeigt auch das Beispiel von Nestlé, dass defensive Aktien derzeit durchaus attraktiv sind und auch in Zukunft interessant bleiben können. Beispielsweise sagt die Schweizer Bank Julius Bär, dass Schweizer Aktien als Werterhaltungsinstrumente bewährt seien. Schweizer Aktien sind derzeit allerdings in der Diskussion. Ein Rahmenabkommen zwischen der EU und der Schweiz könnte die Folge haben, dass die Börse in Zürich ihren Zugang zum europäischen Markt verliert.

Ab Anfang 2019 könnte die EU die Börse in Zürich nicht mehr als gleichwertigen Handelsplatz anerkennen. Dies hätte zur Folge, dass europäische Banken und Wertpapierhändler nicht mehr in Zürich aktiv werden können. Die Schweiz könnte im Gegenzug den Handel mit Aktien aus der Schweiz in der EU unterbinden. Der Schweizer Börsenbetreiber Six würde in diesem Fall einen großen Teil seines jährlichen Handelsvolumens verlieren. Wenn Anleger aus Deutschland dann beispielsweise Aktien von Nestlé kaufen wollen, müssten sie dies in Zukunft direkt über die Schweizer Börse tun.

An der Schweizer Börse SIX Swiss Ex wird das Unternehmen im Bereich Verpackte Lebensmittel und Fleisch gehandelt. Die Aktie von Nestlé konnte im letzten Jahr eine Rendite von 5,1 Prozent erzielen. Im Branchenvergleich liegt sie damit 1,88 Prozent über dem Durchschnitt von 3,22 Prozent. Im Hinblick auf die durchschnittliche jährliche Rendite für die Branche Consumer Products liegt die Aktie von Nestlé 4,94 Prozent über dem Durchschnitt.

Wichtige Jahreszeit für Lebensmittelbranche

Die Weihnachtszeit ist für die Nahrungsmittelindustrie eine wichtige Zeit im Jahr. Überall sind vorweihnachtliche Leckereien zu finden, die hier oftmals nochmals eine Umsatzsteigerung mit sich bringen. Der DAX schwächelt allerdings weiterhin. Dennoch kann sich die Nahrungsmittelbranche derzeit besser entwickeln als der Gesamtmarkt. Die schwächere Stimmung an der Börse wirkte sich in den letzten Wochen kaum auf Nestlé aus. Dies zeigt die Relative Stärke der Nestlé-Aktie.

Darüber hinaus arbeitet die Konkurrenz derzeit an ähnlichen Themen wie Nestlé und könnte von steigenden Preise profitieren. So versucht gerade das französische Unternehmen Danone neue Wachstumsbereiche ausfindig zu machen. Einer der Trends der Branche sind gesünderer Lebensmittel. Daher könnte sich Danone in Zukunft stärker auf Functional Food konzentrieren. Neben diesen Lebensmitteln, die einen Mehrwert für die Gesundheit bieten, könnte das französische Unternehmen auch sein Bio-Sortiment ausbauen.

Nestlé ist der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt und das größte Unternehmen in der Schweizer Industrie. Der Umsatz von mehr als 90 Milliarden Dollar sowie der Gewinn von fast neun Milliarden Dollar im Jahr 2017 bringt Nestlé laut der Forbes Global 2000-Liste auf Platz 34 der größten Unternehmen der Welt. Die Fortune 500 sieht Nestlé ebenfalls unter den Top 100 der umsatzstärksten Unternehmen in aller Welt. Anfang 2017 war Nestlé mit einer Marktkapitalisierung von fast 230 Milliarden Dollar das wertvollste Unternehmen der Schweiz.

Defensive Aktien weiter interessant

Die Aktie von Nestlé konnte sich in den letzten Tagen von ihren Verlusten in Sommer erholen. Derzeit ist die Aktie über 75 Euro wert und zeigt, dass defensivere Titel derzeit für Anleger interessant sind. In unruhigen Zeiten an der Börse sind häufig vor allem Aktien aus der Schweiz für Anleger interessant. Allerdings befinden sich gerade die EU und die Schweiz in einer Diskussion über ein Rahmenabkommen. Dies könnte zur Folge haben, dass Schweizer Aktien nicht mehr uneingeschränkt in der EU gehandelt werden können.

In Franken gerechnet konnte die Aktie von Nestlé jüngst sogar einen Rekordwert von 86 Franken erreichen. Noch im Sommer verzeichnete die Aktie Verluste und war nur noch 73,43 Franken wert. Diesen Rückgang konnte die Aktie zwischenzeitlich aufholen. Die genauen Gründe für diese Trendwende sind unklar. Womöglich trauen die Anleger dem Konzern Fortschritte beim angestrebten Konzernumbau zu.

Das Unternehmen trennte sich zuletzt von weniger profitablen Geschäftsbereichen wie dem Süßwarengeschäft in den USA und konzentriert sich verstärkt auf umsatzstärkere Geschäftsfelder. Unter anderem übernahm man zu Jahresbeginn das Handelsgeschäft von Starbucks. Nach Rückgängen im Wachstum will man bis 2020 wieder Wachstumsraten von fünf Prozent erreichen. Vor allem den Geschäftsfeldern Babynahrung, Kaffee, Wasser und Tierfutter traut man steigende Wachstumsraten zu. Womöglich verkauft Nestlé bald auch seine Anteile an L‘Oréal.