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Aktienanalyse Siemens

Updated 16 Nov 2020
Erfahrungen

Die Aktie von Siemens war in dieser Woche erstmals seit Ende Januar wieder mehr als 100 Euro wert. Den Hintergrund für diesen Kursanstieg bildet ein Großauftrag aus Brasilien zum Bau eines Kraftwerks. Dieser bedeutet vor allem für die seit einiger Zeit schwächelnde Kraftwerkssparte eine große Erleichterung, ist wohl jedoch noch nicht das Ende der Krise. Insbesondere langfristig orientierte Anleger sollten derzeit auch die weitere Entwicklung hinsichtlich des angekündigten Konzernumbaus bei Siemens verfolgen.

Großauftrag aus Brasilien

Siemens wird in Zukunft gemeinsam mit Partnern wie dem britischen Mineralölunternehmen BP bis 2021 ein modernes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro bauen, das eine Leistung von 1,3 Gigawatt erreichen soll. Das Kraftwerk wird mit Flüssiggas betrieben und soll Strom für bis zu vier Millionen Menschen erzeugen. Siemens bringt sich dabei unter anderem mit drei Gasturbinen ein. Das Projekt ist insgesamt etwa eine Milliarde Euro wert. Wie groß der Anteil von Siemens daran ist, wurde nicht bekannt. Das Unternehmen soll jedoch langfristig den Service des Kraftwerks übernehmen und damit beispielsweise für die Wartung zuständig sein. Zudem sind weitere Kraftwerke am gleichen Standort am Hafen vor Arcu in Planung. Das Projekt könnte die Kraftwerkssparte, eine von drei Kernsparten des Unternehmens, wieder stärken.

Diese Meldung wirkte sich nicht nur auf den Aktienkurs, sondern ebenfalls auf das Chartbild sehr positiv aus und erzeugte ein Kaufsignal. Womöglich könnte die gute Stimmung dauerhaft anhalten und damit die Siemens-Aktie wieder für langfristig orientierte Anleger interessant machen. Auch ein weiterer Kursanstieg wäre dann denkbar. Allerdings kann es sinnvoll sein, mit einer Anlage noch eine Weile zu warten und zu beobachten, wie das Unternehmen den langfristigen und mit hohen Kosten verbundenen Konzernumbau meistert. Hierzu wurden vor einigen Wochen strategische Veränderungen im Siemens-Konzern bekannt.

Aktienanalyse Siemens

Anstieg der Siemens-Aktie um fast zwei Prozent

Nach Bekanntwerden des Auftrags aus Brasilien stieg die Siemens-Aktie um 1,9 Prozent auf 101,08 Euro. Schon zuvor lag die Aktie 1,4 Prozent im Plus. Im Laufe der Handelswoche verlor die Siemens-Aktie dann jedoch wieder leicht, was eine langfristige Prognose erschwert. Die Aktie liegt weiter rund 17 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 120,78 Euro aus dem August letzten Jahres. Das 52-Wochen-Tief lag Anfang Februar 2019 bei 90,85 Euro. Damit ist die Aktie jedoch sowohl von ihrem Allzeithoch von 133,50 Euro aus dem Mai 2017 wie auch von ihrem Allzeittief von 24,60 aus dem Oktober 1998 weit entfernt. Insgesamt bewegt sich die Siemens-Aktie dennoch auf einem höheren Level als noch vor einigen Jahren, auch wenn es in den letzten Monaten eher abwärts ging.

Meldungen rund um Siemens sind auch mit Blick auf den DAX sehr interessant, da das Unternehmen bei der Bildung des Leitindexes das zweitgrößte Gewicht hat und mit einem Börsenwert von über 84,480 Milliarden Euro eines der Schwergewichte unter den börsennotierten deutschen Unternehmen ist. Derzeit wird Siemens mit 9,25 Prozent in die Berechnung des DAX einbezogen. Vor Siemens liegt damit nur noch SAP. Im letzten Geschäftsjahr, das Ende September 2018 endete, erreichte Siemens einen Umsatz von 83 Milliarden Euro sowie einen Gewinn von über sechs Milliarden Euro und ist damit eines der größten deutschen Unternehmen.

Aktie im Branchenvergleich unterbewertet

Siemens kann auf über 170 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblicken und zählt heute zu den international wichtigsten Technologiekonzernen. Insbesondere bei ressourcenschonenden und energieeffizienten Technologien gehört das Unternehmen zu den führenden Herstellern. Für Experten scheint die Siemens-Aktie durchaus interessant zu sein. Die Schweizer Großbank UBS gibt sogar weiterhin ein Kursziel von 130 Euro aus. Dies zeigt, dass Analysten der Siemens-Aktie weit höhere Kurse zutrauen, als die Aktie zurzeit erreicht.

Die Siemens-Aktie kann derzeit ein KGV von 14,49 aufweisen. Damit liegt sie im Vergleich zu anderen Unternehmen aus der Branche Industriekonglomerate mit einem durchschnittlichen KGV von 35,64 rund 65 Prozent unter dem Durchschnitt und ist damit unterbewertet. Mit Blick auf den Relative Stärke Index liegt dieser auf einer 7-Tage-Basis bei 52,9 Punkten. Die Aktie ist damit weder unter- noch überkauft. Auf der Basis von 25 Tagen schwankt der RSI weniger und weist einen Wert von 46,95 auf.

Der Aktienkurs von Siemens erreichte in den letzten zwölf Monaten eine Performance von minus 3,75 Prozent, während andere Aktien aus der Branche Industriekonglomerate im selben Zeitraum um 0,88 Prozent angestiegen sind. Im Branchenvergleich zeigt Siemens damit eine Underperformance von minus 4,63 Prozent. Auch hinsichtlich der Rendite liegt die Siemens-Aktie unter dem Durchschnittswert der Branche von 1,28 Prozent. Siemens lag 5,03 Prozent darunter.

Siemens Aktie Analyse Chart

Konzernumbau angekündigt

Ein Blick geht bei Siemens derzeit auf den geplanten Konzernumbau, den Joe Kaeser, der seit Sommer 2013 an der Spitze des Unternehmens steht, so intensiv angeht wie kaum einer seiner Vorgänger. Kaeser ist unter anderem für die Börsengänge der Medizintechnik-Sparte Healthineers sowie die Fusion mit Gamesa bei der Windkraft verantwortlich. Kürzlich brachte Siemens die sogenannte „Vision 2020+“ auf den Weg. Damit sollen unter anderem die industriellen Kerngeschäfte mehr Eigenständigkeit bekommen. Bereiche wie Windkraft oder Medizintechnik werden damit in Zukunft nur noch indirekt über den Aufsichtsrat geführt. Damit geht das Unternehmen auch Risiken ein. Beispielsweise könnte es zu Übernahmen einzelner Bereiche kommen.

Von der Ankündigung dieser möglicherweise einschneidenden Veränderungen zeigen sich die Anleger im März eher unbeeindruckt. Die Aktie reagierte kaum hierauf. In den letzten Monaten ging es im Übrigen für die Siemens-Aktie oft eher nach unten, obwohl der Aktienkurs insgesamt auf einem höheren Niveau liegt als vor dem Amtsantritt Kaesers.

Siemens arbeitet mit einer sehr breiten Produktpalette von Generatoren und Getrieben über Medizintechnik bis hin zu Sicherheitstechnik. Neben den klassischen Geschäftsfeldern und Tochterunternehmen ist Siemens zudem über Beteiligungen in weitere Unternehmen involviert. Allein in Deutschland gibt es etwa 50 Standorte, dazu kommen zahlreiche Fertigungs- und Entwicklungsstandorte. Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Umstrukturierungen und Verkäufe einzelner Unternehmenssparten. So wurde beispielsweise das Halbleitergeschäft bereits 1999 ausgegliedert.

Siemens Fundamentalanalyse

Siemens-Aktie immer wieder unter Druck

Die Siemens-Aktie steht zwar immer wieder unter Druck, kann sich allerdings ebenso wie das gesamte Unternehmen deutlich positiver präsentieren als der wichtige Konkurrent General Electric. Dennoch scheint es so, als würden viele Anleger abwarten, wohin die Reise bei Siemens geht. Mit Blick auf das operative Geschäft ist Siemens gut aufgestellt. Im Bereich der digitalen Industrien konnte sich Siemens als Weltmarktführer im Bereich Automatisierungs- und Industriesoftware etablieren. Eine Möglichkeit für weiteres Wachstum bietet auch der Bereich Smart Infrastructure der Gebäudetechnik und Energiemanagement umfasst. Diese Bereiche stehen deutlich besser da als das Kraftwerksgeschäft, das sich seit Langem in einer strukturellen Krise befindet, da große Gasturbinen nur noch wenig nachgefragt werden. Hier gilt nur noch China als Wachstumsmarkt, doch die Unternehmen in China werden wohl in Zukunft eher auf selbst hergestellte Turbinen setzen.

Viele Anleger scheinen wohl abzuwarten, wie Siemens in naher Zukunft mit diesen Herausforderungen umgeht. Hier sind noch viele Fragen und Einzelheiten offen. Siemens will mit drei Unternehmen in die Zukunft gehen, die den operativen Kern des Unternehmens bilden sollen. Diese umfassen die Sparten Digitalen Industrien, Intelligente Infrastruktur und Kraftwerke. Siemens Gamesa, Healthineers und die Bahntechnik kommen als strategische Unternehmen dazu, sollen aber nach Möglichkeit eigenständig arbeiten. Die Bahn-Sparte geriet zuletzt mit der gescheiterten Fusion mit Alstrom in die Schlagzeilen, die im Februar von der EU-Kommission abgelehnt wurde. Derzeit bleibt abzuwarten, wie sich die Wachstumsmöglichkeiten entwickeln und wie Siemens seine Margenvoraben erfüllen will.

Siemens-Aktie schon seit 120 Jahren handelbar

Die Aktien von Siemens können bereits seit 1899 an der Börse gehandelt werden. Heute ist die Aktie nicht nur im DAX, sondern auch im DivDAX und im Euro Stoxx 50 gelistet. Insgesamt sind 850 Millionen Namensaktien vorhanden. Noch immer ist die Familie Siemens mit sechs Prozent aller Aktien der größte Einzelaktionär. Institutionelle Anleger halten etwa 70 Prozent der Aktien, Privataktionäre rund 20 Prozent.

Die ausgeschüttete Dividende steigt kontinuierlich. Im Jahr 2018 wurde sie zum fünften Mal in Folge auf 3,80 Euro erhöht. Im Jahr zuvor wurden zehn Cent weniger für eine Aktie ausgeschüttet. Siemens ist mit fünf aufeinanderfolgenden Dividendenerhöhungen eines der wenigen DAX-Unternehmen, die dies ermöglichen konnten.

Insgesamt arbeiten etwa 378.000 Mitarbeiter für Siemens. Viele Arbeitsprozesse wurden mittlerweile ins Ausland verlegt. Waren 2001 noch mehr als 40 Prozent aller Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt, so waren es im letzten Jahr nur noch etwas mehr als 30 Prozent. Vor allem in Osteuropa und Asien wurden in den letzten Jahren neue Arbeitsplätze geschaffen.

Schon Ende 2017 wurde bekannt, dass in der Kraftwerkssparte fast 7.000 von 46.800 Arbeitsplätzen wegfallen sollen. Betroffen waren davon auch die Turbinenwerke in Görlitz und Leipzig, die geschlossen werden sollen. Weitere Standorte sollen zusammengelegt werden. Aus der Kernkrafttechnik hatte sich Siemens schon nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima 2011 zurückgezogen.

Siemens-Aktie erstmals seit Januar über 100 Euro wert

In den letzten zwölf Monaten stand die Siemens-Aktie wiederholt unter Druck, liegt aber insgesamt noch immer auf einem höheren Niveau als vor einigen Jahren. Nun konnte die Aktie erstmals seit Januar wieder die 100-Euro-Marke überspringen. Der Grund dafür war ein Großauftrag aus Brasilien, der der seit Langem angeschlagenen Kraftwerkssparte zugutekommen könnte.

Im Bundesstaat Rio de Janeiro soll in den kommenden zwei Jahren ein Kraftwerk errichtet werden, zu den Siemens drei Gasturbinen beisteuern wird und langfristig Wartungsarbeiten am Kraftwerk übernimmt. Das eine Milliarde Euro schwere Projekt entsteht gemeinsam mit Partnern wie BP. Das Kraftwerk soll Strom für vier Millionen Menschen erzeugen. Langfristig sind am selben Standort weitere Kraftwerke geplant. Dies könnte die seit einiger Zeit kriselnde Kraftwerksparte entlasten.

Diese Meldung wirkte sich positiv auf das Chartbild und den Aktienkurs von Siemens aus. Langfristigen Anlegern wird jedoch noch immer dazu geraten, den Verlauf des angekündigten Konzernumbaus zu verfolgen. Im März wurde die „Vision 2020+“ vorgestellt, in deren Rahmen die einzelnen Kerngeschäfte eigenständiger werden sollen. Dieses Vorhaben ist jedoch auch mit Risiken verbunden. So könnte es zu Übernahmen einzelner Bereiche kommen. Die Kraftwerksparte steht seit einiger Zeit unter Druck, da Gasturbinen kaum noch nachgefragt werden. Hingegen konnten sich die Sparten Digitale Industrien und Smart Infrastructure zuletzt gut entwickeln.