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Krise in der Reisebranche: TUI streicht 8.000 Stellen

Updated 14 Mai 2020
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Die Tourismus-Branche ist von der Corona-Krise besonders stark betroffen. Nun musste der Reisekonzern TUI bekannt geben, dass dort 8.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Der größte Reisekonzern der Welt hat das Ziel ausgegeben, gestärkt aus der Krise herauszugehen. Derzeit ist das Sommerprogramm jedoch nur zu 35 Prozent ausgebucht und alle Reise bis Mitte Juni wurden von TUI Deutschland abgesagt.

Kurzarbeit und KfW-Hilfskredit

Schon jetzt sind viele TUI-Mitarbeiter in Kurzarbeit. Darüber hinaus hat das Unternehmen einen Kredit in Höhe von 1,8 Milliarden Euro bei der KfW beantragt. Derzeit verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben noch über liquide Mittel von rund zwei Milliarden Euro. Der Sommer können jedoch für die gesamte Branche hart werden. TUI will daher seinen Sparkurs intensivieren. Neben dem geplanten Stellenabbau sollen auch die Verwaltungskosten um 30 Prozent gesenkt und Investitionen zurückgeschraubt werden. Bei der Bekanntgabe dieser Entwicklung sagte TUI-Chef Friedrich Joussen zudem, dass das Unternehmen nach der Krise ein anderes sein werde und das sich auch das Marktumfeld verändern werde.

Für das Winterhalbjahr zwischen Oktober 2019 bis Ende März 2020 musste das Unternehmen einen Verlust von rund 892 Milliarden Euro hinnehmen. Dies war über zweieinhalb Mal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Umsatz ging jedoch nur leicht zurück und betrug 6,6 Milliarden Euro. Verluste im Winter sind in der Reisebranche nicht ungewöhnlich. In diesem Jahr fielen die Zahlen jedoch besonders negativ aus, da aufgrund der Corona-Pandemie viele Flüge und Reisen ausfallen mussten.

TUI: Krise in der Reisebranche

TUI hofft auf Grenz- und Hotelöffnungen

TUI hofft nun, dass bald die Grenzen wieder geöffnet werden, damit doch noch – wenn auch eingeschränkt – Sommerurlaube stattfinden können. Außerdem bereitet TUI schon jetzt Hotels in ganz Europa auf eine Wiedereröffnung vor. Unter Umständen könnte die Saison später beginnen, dafür aber länger dauern. Zudem hofft das Unternehmen, dass viele der Aktivitäten, die im März zunächst vollständig eingestellt werden mussten, bald wieder aufgenommen werden können. In welchen Ländern in diesem Jahr aber wirklich ein Sommerurlaub stattfinden kann, ist bislang noch weitestgehend unbekannt.

Beim Hotelbetrieb will TUI mit einem Zehn-Punkte-Plan arbeiten. Darin sind beispielsweise Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen festgelegt. Zudem können Kunden online einchecken und müssen Abstandregeln einhalten. Darüber hinaus werden vor Ort die Anzahl der Gäste in Restaurants oder bei Events beschränkt.

Joussen hofft zudem weiterhin, dass in diesem Jahr auch außerhalb Deutschlands Urlaub gemacht werden kann. Daher hat das Unternehmen einen Gesundheitscheck für alle Urlaubsziele erarbeitet. Die Hoffnungen liegen dabei vor allem auf den Hotels auf Mallorca. Dort hat TUI bei seinen Hotels bereits einen Probelauf durchgeführt. Theoretisch könnten die Hotels auf der beliebten Baleareninsel sofort wieder aufmachen. Auch die Hotels in Ländern wie Österreich, Griechenland oder Dänemark seien gut vorbereitet.

Erste Lockerungen für Ferienwohnungen und Campingplätze

Klar ist derzeit, dass es für Reisende in Deutschland bald Erleichterungen geben wird. Für Ferienwohnungen und Campingplätze sind in den letzten Tagen die ersten Lockerungen in Kraft getreten. TUI könnte auch seine Hotels auf Sylt und in Mecklenburg-Vorpommern in den nächsten Tagen wieder öffnen. Die ersten Hotels sind bereits ausgebucht, sicher auch, da im Mai und Juni auch einige lange Wochenenden und Feiertage anstehen.

Dennoch müssen sich Reisende und Veranstalter darauf einstellen, dass der Sommerurlaub in diesem Jahr wohl anderes wird, als gewohnt. An Abstands- und Hygieneregeln müssen sich die Urlaubsgäste wohl ebenso halten wie an die Vorgabe, einen Mundschutz zu tragen. Viele Hotels arbeiten schon jetzt an Konzepten, um die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus zu reduzierten. Tische werden so gestellt, dass zwischen den Tischen der Mindestabstand von eineinhalb Meter gewahrt werden kann und Buffets wird es wohl in den kommenden Monaten nicht geben.

Bei Flugreisen werden Touristen wohl schon am Flughafen Neuerungen feststellen. Beim Boarding und auch im Flugzeug könnten Masken verpflichten sein. Womöglich könnte das Einsteigen ins Flugzeug auch in kleinen Gruppen erfolgen. Der Veranstalter FTI hält es für möglich, dass in der ersten Phase der Öffnungen die Hotels nur zu 50 Prozent ausgelastet sein werden. So ließen sich große Gruppen und Warteschlangen in den Restaurants oder am Pool vermeiden.

Hoffnung auf Sommersaison

Es ist nicht verwunderlich, dass viele Reiseveranstalter derzeit versuchen, den Urlaubssommer 2020 zu retten. In den letzten Wochen sind die Buchungen enorm zurückgegangen. Zwischen Mitte März und Ende April musste die gesamte Branche Umsatzverluste von fast fünf Milliarden Euro hinnehmen. Dies geht aus einer Umfrage des Deutschen Reiseverbands (DRV) hervor. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) geht davon aus, dass die Umsatzausfälle bis Mitte Juni bei fast elf Milliarden Euro liegen werden. Zwei von drei Reisebüros und Reiseveranstaltern in Deutschland könnten kurz- oder mittelfristig in die Gefahr einer Insolvenz geraten.

In anderen Ländern ist die Lage noch dramatischer, insbesondere in Ländern wie Griechenland oder Spanien, in denen der Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen ist. Laut der EU-Kommission könnten in ganz Europa die Einnahmeverluste bei Hotels und Restaurants 50 Prozent betragen, bei Reiseveranstaltern sogar 70 Prozent. Veranstalter von Kreuzfahrten und Airlines könnten Verluste von 90 Prozent machen.

Erste Grenzöffnungen in Sicht

Noch bis Mitte Juni gilt die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Bald könnte es jedoch zu ersten vorsichtigen Grenzöffnungen kommen. Touristik-Experten gehen jedoch derzeit davon aus, dass viele Menschen ihren Urlaub um einige Wochen oder Monate verschieben werden und beispielsweise erst im Spätsommer verreisen wollen.

Normalerweise sieht es die rechtliche Lage in Deutschland vor, dass die Reiseveranstalter bei Absagen aufgrund einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtest die Kosten für die gebuchte Pauschalreise übernehmen müssen. Dies hätte jedoch zur Folge, dass nochmals höhere Kosten auf die Unternehmen zukommen. Daher plädieren erste Verantwortliche wie Thomas Bareiß, der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, für eine Lösung über Gutscheine. Eine Alternative könnte auch ein Rettungsfonds für die Tourismusbranche sein.

Fazit: Massiver Stellenabbau bei TUI durch Corona-Krise

TUI muss aufgrund der Folgen der Corona-Krise 8.000 Stellen streichen und weitere Einsparungen vornehmen. Wie bei vielen anderen Unternehmen aus der Tourismusbranche fielen die Verluste im Winterhalbjahr weitaus höher aus, als gewöhnlich. Nun arbeiten Reiseveranstalter und Hotels im In- und Ausland daran, dass in diesem Sommer – wenn auch unter Einschränkungen – dennoch ein Sommerurlaub möglich wird. Ansonsten drohen der Tourismus-Branche weitere hohe finanzielle Schäden.