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Was ist ein ICO?

Updated 25 Jan 2021
Was ist ein ICO?

Weltweit sammelten Start-Ups im Jahr 2018 deutlich mehr Geld durch ICOs ein, als Jungunternehmen hierzulande über den klassischen Risikokapitalmarkt bekamen. Die neue Finanzierungsart brachte rund 16,7 Milliarden US-Dollar ein. Im Vergleich dazu sammelte Venture-Capital in Deutschland auf herkömmlichen Wegen 4,6 Milliarden Euro ein.

Dies wirft zu Recht folgende Fragen auf: Was ist ein ICO? Warum bringen ICOs so viel Geld ein? Und welche Chancen bieten sich für Privatanleger? Eines sei vorab gesagt: In den zurückliegenden Monaten haben Investoren durch ICOs bereits große Geldsummen eingebüßt.

ICO – Initial Coin Offering

Bei einem Initial Coin Offering (Abkürzung: ICO) – alternativ: Initial Public Coin Offering (Abkürzung: IPCO) bzw. Token Sale – handelt es sich um eine Finanzierungsform für Geschäftsmodelle, die auf der Blockchain-Technologie basieren. Junge Unternehmen und Start-Ups, die ein solches Geschäftsmodell umsetzen möchten, verkaufen sogenannte Token gegen etablierte Kryptowährungen oder Fiat-Währungen, um Geld zu erhalten. Dabei kann der versprochene Nutzen der Token für die Käufer variieren. Aus Investorensicht ist es jedoch das Ziel, durch den Besitz des Token an künftigen wirtschaftlichen Unternehmenserfolgen zu partizipieren.

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Gemeinsamkeiten mit etablierten Finanzinstrumenten

Der ICO ist namentlich angelehnt an das Prinzip des Börsengangs (IPO = Initial Public Offering), also der initialen Wertpapierausgabe von Unternehmen. Da ICOs aber häufig zur erstmaligen Aufnahme von Kapital verwendet werden, liegt es näher, sie weniger mit Börsenkapital als mehr mit Risikokapital bzw. Wagniskapital (Venture-Capital) zu vergleichen.

Venture-Capital wird bei jungen Firmen durch einen Business Angel, also einen Investor, als Starthilfe bereitgestellt. Der Kapitalgeber partizipiert wiederum in Form von Gewinnbeteiligungen am künftigen Profit der Firma. Da es zahlreiche Investoren gibt, die teilweise nur sehr niedrige Geldmengen investieren, kann ein ICO am besten als eine weniger regulierte Methode des Crowdfundings beschrieben werden.

Welche Arten von ICOs und Token gibt es?

ICOs wurden dafür konzipiert, neue Kryptowährungen auf den Markt zu bringen. Zuerst wurden die sogenannten Utility Token preiswert zum Verkauf angeboten, die sich anschließend als Coins der neuen Kryptowährung handeln lassen. Sobald der Wert der Token über den Ausgangswert stieg, beteiligte man die Käufer über Kurssteigerungen am Erfolg. Die Geldgeber bekamen aber zu keinem Zeitpunkt Rechte an dem unterstützten Krypto-Projekt. Bereits im Juli 2013 wurde der erste Verkauf eines solchen Tokens durch Mastercoin umgesetzt.

Initial Coin Offering Arten Illustrierung

Große Vielfalt an Möglichkeiten

Heute werden nicht mehr nur neue Kryptowährungen mit ICOs finanziert, sondern in erster Linie Start-Ups, die im Blockchain-Segment tätig werden möchten. Die verkauften Token sind hierbei nicht als Kryptowährung handelbar. Deshalb wurde nach neuen Wegen gesucht, wie sich Händler an dem potenziellen Gewinn des Unternehmens beteiligen lassen. Somit entwickelten sich Token zunehmend zu einer Art virtuellem Gutschein. Inzwischen sind die Möglichkeiten ihrer Nutzung zahlreich und ständig kommen neue Variationen dazu.

So wäre es zum Beispiel möglich, Token später einmal gegen Dienstleistungen oder Produkte wie zum Beispiel Speicherplatz einzutauschen. Aber auch Unternehmensbeteiligungen, Stimmrechte oder das Recht auf Gewinnausschüttungen, wie es bei Aktien gängig ist, lassen sich bei einem ICO über Smart Contracts zusichern. ICOs erfreuen sich seit 2017 zunehmender Beliebtheit und es etablieren sich immer neue Varianten, sodass das Angebot mittlerweile nahezu unüberschaubar geworden ist.

Welche Vorteile bieten ICOs?

Mit einer Blockchain ist es möglich, sowohl die Börse als auch offizielle Finanzbehörden sowie deren regulierten Prozesse zur Aufnahme von Kapital zum Teil zu umgehen. Bei ICOs gibt es bislang noch keine einheitliche rechtliche Grundlage, da sie noch relativ neu sind und sie sich aufgrund ihres internationalen Charakters rechtlich auf nationaler Ebene schwer einordnen lassen. Es gibt jedoch bereits Security-Token in Deutschland, bei denen ein Wertpapierprospekt mit der Zustimmung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Voraussetzung ist.

Trotzdem bieten ICOs insbesondere jungen Unternehmen deutliche Vorteile. Sie ermöglichen es durch einen geringfügigen bürokratischen Aufwand, Kapital schnell, einfach und kostensparend aufzunehmen. Darüber hinaus ist es möglich, die Investitionsform einer breiten Masse an potenziellen Interessenten leichter zugänglich zu machen. Mithin ermöglichen ICOs Unternehmen die Minimierung des eigenen finanziellen Risikos und eine große Flexibilität, da das Eigenkapital ohne regulierende Vorschriften häufig nicht nötig ist.

Wie hoch sind die Renditechancen?

Händler auf der anderen Seite werden mit attraktiven Renditechancen gelockt, denn schließlich brachten verschiedene ICO-Vorbilder bereits große Summen ein. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Ethereum ICO, mit dem die Kryptowährung Ether im Jahr 2014 gelauncht wurde. Mit den Token (je 0,40 US-Dollar) wurden insgesamt 18 Millionen US-Dollar eingesammelt. Ein Ether wurde im Januar 2018 für bis zu 1.250 US-Dollar gehandelt. ICO-Händler, die zu dieser Zeit verkauft hatten, konnten sich über eine extrem hohe Rendite von 312.400 Prozent freuen.

Doch längst nicht alle ICOs entwickelten sich so vielversprechend. So hat zum Beispiel der Bancor ICO, bei welchem im Sommer 2017 in nur drei Stunden rund 153 Millionen US-Dollar eingesammelt wurden, mittlerweile mehr als 80 Prozent seines einstig angesetzten Wertes verloren. Das bedeutet auch für die Teilnehmer des ICO einen Verlust von 80 Prozent.

In einigen Fällen konnten durch ICOs aber enorme Gewinne erzielt werden und hiermit lässt sich auch der aktuelle Hype erklären. Allerdings scheinen derartige Erfolgsgeschichten eine Ausnahme zu bilden und wiegen das hohe Risiko für Kapitalgeber keineswegs auf.

Welche Risiken gibt es in Verbindung mit ICOs?

Zunächst besteht in Verbindung mit ICOs das Risiko eines vollständigen Verlustes des eingesetzten Kapitals. Daneben sollten sich Investoren aber noch zahlreicher weiterer Risiken bewusst sein.

1. Fehlende Regulierung

Eines der größten Probleme sind die teils undurchsichtigen Regularien von Initial Coin Offerings. Teilweise gibt es bei ICOs außerhalb von Deutschland keinen Anlegerschutz. Somit tragen die Investoren das volle unternehmerische Risiko. Darüber hinaus gibt es keine Regeln zu Regressansprüchen bei einer Insolvenz sowie keine Reporting-Pflichten. Ferner bestehen zumeist noch keine Mindestanforderungen in Bezug auf die Informationen zum Projekt und ausgegebenen Dokumente wie den Allgemeinen Geschäftsbedingungen und dem Whitepaper.

Das heißt: Es gibt bei einigen ICOs keine konkreten Investoren-Rechte!

Mittlerweile versuchen die deutsche BaFin, die amerikanische Börsenaufsicht SEC sowie die Europäische Wertpapier-und Marktaufsichtsbehörde (EMSA) sich der Sache anzunehmen und suchen Lösungen, wie man ICOs regulieren könnte. Abgesehen von den regulierten Security-Token haben sie bislang jedoch in erster Linie Verbraucherwarnungen veröffentlicht. Im Februar 2019 stoppte die BaFin zum ersten Mal einen geplanten ICO.

Im Übrigen wurden ICOs bereits im Jahr 2017 von der People's Bank of China rückwirkend vollständig verboten. Südkorea schloss sich an. Anbieter sprechen mittlerweile häufig nur noch von „Donations“ oder „Crowdsales“ statt von ICOs, um von Vornherein etwaigen künftigen Regulierungen zu entgehen. An dieser Stelle ist besondere Vorsicht geboten!

2. Vermehrte Betrugsfälle

Die häufig noch mangelnde Regulierung von ICOs ruft zunehmend Betrüger auf den Plan. Dies wurde zum Beispiel deutlich, als bekannt wurde, dass der verschlüsselte Messaging-Dienst Telegram im Begriff war, ein ICO zu entwickeln. Betrüger nutzten den Hype um den geplanten ICO von Telegram und brachten Fake-Seiten online, auf denen der sogenannte Gram-Token angeblich im Vorverkauf war. Doch die Seiten verschwanden, kurz nachdem sie online waren, bereits wieder und mit ihnen das eingesammelte Geld.

ICO Risiken Veranschaulichung

3. Scheiternde Unternehmen

Aber auch bei seriösen ICOs büßten Investoren mittlerweile sehr viel Kapital ein. Denn viele der Start-Ups scheiterten innerhalb kurzer Zeit. Die Unternehmen scheitern dabei häufig an Hackerangriffen oder Software-Fehlern. Ein möglicher Grund kann aber auch ein Mangel an Fachwissen sein. Nicht selten ist ein fundiertes technisches Verständnis für die komplexe technische Natur der ICO-Projekte notwendig, das die zunehmend unprofessionellen Anbieter häufig nicht vorweisen können.

Zudem können interne Unstimmigkeiten ein Grund für das Scheitern sein. Mittlerweile sind einige Fälle bekannt, bei denen sich die Unternehmensgründer zerstritten haben und das Vorhaben ohne Rückzahlung des ICO-Kapitals abgebrochen wurde. Genau das passierte zum Beispiel bei dem bislang größten ICO in Deutschland. Im Januar 2018 sammelte das Berliner Startup-Unternehmen Endion AG von ungefähr 30.000 Anlegern insgesamt 100.000 Euro ein, um das umweltfreundliche Mining von digitalen Währungen zu realisieren. In einem Bericht der Fachpresse im August 2018 hieß es dann, dass das Unternehmen bis dahin keinen nennenswerten Umsatz gemacht habe, weil beide Gründer zerstritten wären.

Welche Zukunft haben ICOs?

Aktuell gibt es einen Hype und im ICO-Korb befinden sich noch zahlreiche „faule Eier“. Trotzdem könnten sich Händlern künftig interessante Investmentmöglichkeiten bieten. Die Voraussetzung ist, dass man wegen der Regulierung Maßnahmen trifft, die konsequent umgesetzt werden, um somit den Schutz der Anleger flächendeckend zu gewährleisten.

Im August 2018 kündigte die Börse Stuttgart an, eine eigene ICO Plattform zu entwickeln, die den Nutzern standardisierte Abläufe und Transparenz bieten soll. Die Börse will diesbezüglich mit Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten.

ICO vs. Crowdfunding – Wo liegen die Unterschiede?

Bei ICOs und Crowdfunding handelt es sich jeweils um Fundraising-Lösungen. Manchmal werden die beiden Begriffe synonym genutzt, haben jedoch eine unterschiedliche Bedeutungen. Während ICO-Teilnehmer einen Token kaufen, sammeln Crowdfunding-Kampagnen Geld und erhalten dafür eine finanzielle Belohnung.

1. ICO-Teilnehmer erwerben einen Token. Crowdfunders stellen gegen eine finanzielle Belohnung Geld zur Verfügung.

Nach der Finanzkrise ist das Crowdfunding sprichwörtlich explodiert, als es zunehmend schwieriger wurde, einen Kredit bei einer Bank aufzunehmen. Wie von der Weltbank kürzlich vorhergesagt, werden die internationalen Investitionen über Crowdfunding-Plattformen 93 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2025 erreichen.

Das Konzept des Crowdfundings ist einfach: Ein Unternehmen sammelt von privaten Investoren Geld für ein bestimmtes Projekt oder ein komplettes Unternehmen. Die Investoren tragen einen Teil des Risikos und erhalten zumeist eine Gewinnbeteiligung. Die meisten Kampagnen werden über Online-Plattformen organisiert.

Während eines ICOs sammelt ein Unternehmen Kapital ein, in dem es einen Token zu einem festgelegten Preis verkauft und hierfür entweder Kryptowährungen oder Fiat-Geld bekommt. In der Regel werden ICOs von Start-Ups aus dem Technologie-Bereich initiiert, vor allem von Blockchain-Unternehmen. Schließlich kann der Token auf der von dem ausstellenden Unternehmen konzipierten Software-Plattform genutzt oder auf einem Sekundärmarkt veräußert werden.

2. ICO-Investoren sind auch Nutzer des eigenen Produkts.

In der Regel führt traditionelles Crowdfunding zur Erstellung eines physischen Produktes oder Projektes. Wie die Investoren belohnt werden, entscheidet der Ersteller der Kampagne. Oftmals bekommen die Investoren eine Gewinnbeteiligung, in einigen Fällen auch Stimmrecht. Sollten sie lediglich einen Zins auf ihr Kapital bekommen, so wird dies als „Crowdlending“ bezeichnet – vergleichbar mit einem p2p-Darlehen, also einem Kredit zwischen zwei Personen. Somit hängt der Wert der Investitionen nicht nur vom Erfolg des Projektes oder des Produktes ab, sondern ebenfalls vom Belohnungssystem.

Während eines ICOs erwirbt ein Investor ein Token und damit verbunden das Recht auf eine Dienstleistung oder ein Produkt. ICO-Händler bekommen weder Rechte auf die Gewinne der Gesellschaft noch eine Beteiligung an dem emittierenden Unternehmen. Sie sind technisch betrachtet nicht nur Investoren, sondern auch Kunden und Nutzer der eigenen Produkte.

3. Der Erfolg des ICO hängt davon ab, wie der Markt den Wert des Token wahrnimmt.

ICOs schaffen ein digitales Produkt (kein physisches Produkt), das an einer Börse notiert und öffentlich gehandelt wird. Aus diesem Grund sind ICO-Investoren davon abhängig, wie der Markt den Wert des Tokens wahrnimmt. Bestimmt wird dieser Marktwert und somit der Wert einer Investition maßgeblich von der potenziellen zukünftigen Nutzbarkeit der Plattform. Das ausstellende Unternehmen setzt darüber hinaus den Initialwert des Tokens. Jedoch ist es vor dem ICO so gut wie unmöglich, den künftigen Erfolg vorauszusagen. Token sind damit für eine deutliche Über- oder Unterbewertung anfällig.

Initial Coin Offering Ablauf

Auf der anderen Seite können Crowdfunding-Anleger für ihre Investitionen eine Belohnung bekommen. Anders als bei ICO-Token gibt es für den Handel mit Crowdfunding-Vorteilen jedoch keinen Sekundärmarkt. Deshalb ist es Anlegern nicht möglich, Kapitalgewinne durch den Verkauf ihrer Anlage zu erzielen.

Es müssen jedoch immer zwei Seiten betrachtet werden: Bei einem ICO könnten die Risiken zwar höher sein, dies gilt aber auch für die potenzielle Rendite.

4. ICOs und Crowdfunding sind weitestgehend unreguliert. STOs könnten dies ändern.

Da ICOs keiner oder wenig Regulierung unterliegen, haben sie einen lückenhaften Ruf. Auch viele Crowdfunding-Projekte sind nicht geregelt. Manche Crowdfunding-Plattformen wollen den Nutzern eine zusätzliche Sicherheitsebene bieten, indem eine Betrugsabteilung im Hintergrund Prüfungen durchführt. Darauf sollte man sich jedoch nicht verlassen.

Zuletzt gab es im ICO-Markt einen großen Trend zu mehr Sicherheit. Die sogenannten Security Token Offerings, kurz: STOs, zielen auf die Generierung eines regulierten Token-Marktes ab. STOs, die tokenisierte Anlageprodukte verkaufen, müssen bei der in ihrem Land zuständigen Finanzmarktaufsicht registriert sein. Somit unterliegen sie strikten Finanzmarktgesetzen und einer strengen regulatorischen Aufsicht.

ICOs und Crowdfunding sind grundsätzlich verschieden. Jeder Investor sollte die Unterschiede verstehen. Vor einer Investition in ein Projekt ist eine solide Due Diligence (Prüfung einer Person oder eines Unternehmens auf finanzielle, steuerliche, rechtliche und wirtschaftliche Verhältnisse) durchzuführen. Beide Lösungen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, wobei die Möglichkeiten, die die Blockchain-Technologie bietet, für viele Investoren spannender sind als klassische Crowdfunding-Plattformen. Zwar ist die Blockchain-Szene noch jung, doch das Finanzierungsvolumen, das über ICOs aufgenommen wurde, hat sich in den Jahren 2017 und 2018 verdoppelt. Vermutlich wird sich dieser Trend fortsetzen.